Alles begann mit einer ganz einfachen Aufgabe: „Mach Fotos von der neuen Fogbow-Farbe. Es soll in der Nähe von Park City sein, wo man nicht sehen kann, dass es Winter ist, da es für die Frühjahrs-Sommer-Kampagne ist.“ William, Hallvard und ich dachten: „Klar. Ganz einfach.“ 

Bevor wir in die USA aufbrachen, wussten wir, wo wir die Aufnahmen machen würden, hatten die Models gebucht und alles sah nach einem ganz entspannten Drehtag aus.

Wenn du dich fragst, warum wir uns für Salt Lake entschieden haben: Wir wollten schwarze Taschen vor einer winterlichen Kulisse fotografieren und dann der Plan war, eine Stunde in die Wüste zu fahren, um dort Fotos von den Taschen in Fogbow zu machen. In unseren Köpfen war das ganz klar eine Win-Win-Kombi. Zwei Tage. Zwei Kampagnen. Klang episch. Doch als wir in Park City ankamen, herrschte dort der Schneesturm des Jahrzehnts. Sage Kotsenburg, der dort lebt, begrüßte uns mit: „Krass ich habe hier seit 10 Jahren nicht mehr so viel Schnee gesehen.“ 

Nachdem wir unser erstes Shooting gemacht hatten, beschlossen William und Hallvard, sich den Ort unseres Fogbow-Shootings vor Beginn des Shootings mal näher anzuschauen. Wir hatten keine hohen Ansprüche: Es sollte nach Frühling aussehen und wir brauchten nur ein paar Stunden ohne Schnee. Ich sagte ihnen, dass wir da nicht zu dritt hinfahren müssen, um herauszufinden, ob Schnee liegt oder nicht, und beschloss, lieber eine Runde klettern zu gehen. 

Nach einer Stunde erhielt ich eine Nachricht von William, in der „Fuck“ stand, mit dem Foto unten im Anhang. Es lag definitiv Schnee dort. Als mussten wir so schnell wie möglich eine andere Location finden. Das war nicht das erste Mal, dass wir unsere Pläne kurzfristig ändern mussten, aber es war das erste Mal, dass wir in den USA waren und keine Ahnung hatten, was uns erwartete und wie es mit der Kampagne weitergehen würde, die wir im Sinn hatten.

Ich war mir jedoch ziemlich sicher, dass William und Hallvard bis zu ihrer Rückkehr in Park City herausfinden würden, was wir tun sollten, also bin ich einfach weitergeklettert. Nach 10 Minuten erhielt ich eine weitere Nachricht von William: „Morgen wird ein langer Tag. Und vielleicht schlafen wir in Vegas.“ Ich war offensichtlich begeistert von diesen neuen Informationen, aber ein wenig besorgt über das, was sie geplant hatten. 

Nach ihrer Rückkehr präsentierten William und Hallvard mir und dem Rest des Teams den „genialen“ Plan. „Wir stehen um 3 Uhr auf, fahren 6 Stunden zu einer neuen Location, an der es vielleicht Schnee gibt oder auch nicht, machen Fotos, fahren nochmal 2 Stunden, bis wir Vegas erreichen, bleiben dort über Nacht und fahren dann am nächsten Tag 8 Stunden direkt zum Flughafen.“ Niemand war wirklich gegen diese Idee (großes Lob an das Model), also packten wir unsere Taschen, gingen schlafen und wachten vier Stunden später wieder auf.

Die Fahrt war mehr oder weniger reibungslos – einfach eine gerade Autobahn mit Bergen/Hügeln auf beiden Seiten der Straße. Niemand kannte unser genaues Endziel wirklich, aber wir wussten, dass es irgendwo in der Nähe von St. George lag. Als wir 1 Stunde von St. George entfernt waren, sahen wir immer mehr Berge mit spektakulären Farben und Aussichten. Das Problem war, dass alle Felsen rot waren und wir nach etwas Grauem suchten, ähnlich der Fogbow-Kollektion. Als wir den Wanderweg sahen, haben wir angehalten und auf einem lokalen Touristenplan nach etwas mit der Aufschrift „grau“ in der Nähe gesucht. Ob du es glaubst oder nicht, 10 Minuten von unserem Standort entfernt war ein markierter „grauer Steinweg“, also alle wieder ins Auto und los ging es.

Was wir sahen, war irgendwie verrückt. Für das untrainierte Auge sah es vielleicht nicht gerade spektakulär aus, aber für uns – eine Gruppe, die speziell nach einem Ort suchte, der nach Frühling/Sommer aussieht und mit Felsen in der gleichen Farbe wie unsere Taschen – war es der Jackpot. Vielleicht ist Jackpot das falsche Wort – so toll war es nun auch wieder nicht, aber ich schätze, es war wie die tagelange Suche nach der perfekten Welle, um dann den perfekten, menschenleeren Spot, und die Welle bricht nach links (ich fahre Goofy). Ja, so hat sich das in etwa angefühlt.

Wir haben das Shooting gemacht, alles ist reibungslos gelaufen und wir waren total begeistert. Wir haben uns gefragt, ob wir wirklich nach Vegas wollen, und wir haben gesagt: Ja, lass uns das machen. Aber vor Vegas mussten wir erstmal etwas essen. Also machten wir 20 Minuten von der Shooting-Location entfernt Halt, und bevor wir das Restaurant betraten, sagte William noch: „Lass uns die Dateien auf die Festplatte exportieren, für alle Fälle.“ Hallvard stimmte zu und suchte nach seiner Kamera. Sie war nicht da. Wir fragten uns, wo sie war, und mussten feststellen, dass wir sie zuletzt auf dem Dach des Autos gesehen hatten. Also stiegen William und Hallvard wieder ins Auto und fuhren zurück zur Location. Unsere drei Models und ich bestellten derweil mexikanisches Essen und warteten im Restaurant auf sie. 40 Minuten lang hörten wir nichts mehr von ihnen. Ich habe William eine SMS mit der Aufforderung „Status?“ geschrieben und er antwortete: „Wir haben nur eine Objektivabdeckung gefunden.“ Sie haben den billigsten Teil der Kamera gefunden, aber der ganze Rest war weg. 

Im Restaurant fühlte es sich genau nach dieser Linkswelle an: alles sah gut aus, wir zogen Neoprenanzüge an und paddelten raus. Und dann waren die Wellen weg. Alles flach. Genau so haben wir uns gefühlt. Nach zwei Stunden immer noch nichts. Immer noch glatte See. Wir haben DMs auf Instagram gecheckt, für den Fall, dass jemand die Kamera gefunden hat, nichts. Und dann haben wir die Facebook-Gruppe „Lost and found in St. George“ gefunden und da war ein Beitrag! Darin stand: „Ich habe eine Canon-Kamera auf der Autobahn gefunden.“ Es war, als würden wieder perfekte Wellen auf uns zukommen. Hallvard hat ihr geschrieben und sie hat geantwortet. Diese Welle war fast da. Er und William fuhren zu ihr, ich kann mir vorstellen, dass sie ziemlich schnell fuhren und die Frau und die Kamera waren dort. Sie dankten der Dame, gaben ihr einige von unseren Taschen als Dankeschön und fuhren zurück zum Restaurant. Die Welle, von der wir dachten, dass wir sie nicht mehr surfen würden, war da. Und wir sind sie alle gesurft. Die Stimmung war top, Hallvard bekam sofort ein Bier, als er das Restaurant betrat, und wir waren alle echt froh.

Mit der Geschichte im Gepäck, die uns für immer im Gedächtnis bleiben wird, fuhren wir nach Vegas, verloren etwas Geld im Casino, besuchten „die“ Attraktionen und schliefen ein paar Stunden in einem Hotel. Am nächsten Morgen sind wir zurück zum Flughafen gefahren. Niemand war wirklich beeindruckt von Vegas, wir alle schätzen Natur und Berge mehr, aber es war einen Besuch wert. Und wir haben die Kamera mit der Speicherkarte, damit wir dir die Fotos der Kampagne präsentieren können.

Und an die Dame, die die Kamera gefunden hat, nochmals vielen Dank. Du bist der Held dieser Geschichte. 

// Tin

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